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Bäuerliche Welt in Oberschwaben

 

Wie im letzen Jahr kommt auch heuer ein regionaler Prachtband aus der Werkstatt der Biberacher Verlagsdruckerei. Zeigte "Tiefer Süden - Sanftes Land" noch die Schönheit und Vielfalt der Landschaft zwischen Bodensee, Schwäbischer Alb und Iller,  entführt uns der neue Band des Fotografen Dietmar Unterweger in eine Welt, die in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören wird. Die "Bäuerliche Welt" Oberschwabens zeugt in beeindruckenden Bildern von einer vergessenen Welt jenseits der hektischen Moderne. Es sind Bilder von Menschen und Tieren, Gebäuden und Gerätschaften, alle in der Zeit zwischen 1978 und 2009 aufgenommen, die meisten in Farbe, alles Dokumente einer verschwindenden Lebensform.

Wolf-Dietmar Unterwegers
Bäuerliche Welt
Fotografische Werke 1978–2009

Hardcover, Fadenheftung
144 Seiten, Format 24 x 32 cm
115 Farbabbildungen  49,80 €

und die Einleitung zum Buch:

 

Dokumentar des einfachen Lebens

Der Fotograf Wolf-Dietmar Unterweger nimmt uns fest an die
Hand und führt uns in diese untergegangene Welt. Es ist eine
Reise in Bildern. Er zeigt uns, was ihm wichtig ist. Zuerst stellt
er uns die Männer und Frauen vor – aus der Zeit gefalleneAC
Charakterköpfe, denen er sich respektvoll nähert. Es sind keine
voyeuristischen Bilder. Hier wird niemand vorgeführt. Trotzdem
treffen uns diese Porträts als Schock. Darf man so schamlos
alt sein? So vom Leben gezeichnet? Mit Runzeln, schlechten
Zähnen, Haaren im Gesicht? Diese Frau mag vielleicht 80 sein.
Sie wirkt wie Jahrhunderte alt. Die gebeugten, roh modellierten
Körper tragen unerhört alte Kleider: abgenutzt, geflickt,
löcherig, abgerissen, schmutzig, mit kaputtem Reißverschluss
und ausgefranstem Kragen. Die zerfurchten Gesichter und
buchstäblich zu Werkzeugen umgebildeten Hände sprechen
von einem Leben harter körperlicher Arbeit, wie es sie heute in
unseren Breiten nicht mehr gibt. Wie wir es uns kaum vorstellen
können, selbst wenn die Älteren von uns es in ihrer Jugend
noch erlebt haben. Volle physische Verausgabung, tagaus,
tagein. Eine untergegangene Welt, in der es noch Knechte und
Mägde gab (Begriffe, die wir allenfalls aus der Bibel kennen)
ohne Perspektive auf Besitz, Ehe und Rente. Eine untergegangene
Welt ohne Hygienevorschriften, in der das Schlafzimmer
von der Wärme des darunter liegenden Kuhstalls profitierte,
und die Hühner in der Küche nach Krümeln pickten.
Diese Porträts sind in den Jahren zwischen 1978 und dem Ende
des Jahrhunderts entstanden. Wir müssen uns den Fotografen
Unterweger vorstellen, wie er mit seiner Frau Uschi und
Sohn Philipp im VW-Bus aufbricht: auf der Suche nach der
bäuerlichen Welt seiner Kindheit. Mit Kamera, Objektiven
und unzähligen Filmrollen. In sich weitenden Kreisen von
Oberschwaben aus nach Bayerisch Schwaben, ins Fränkische,
auf die Schwäbische Alb und in den Schwarzwald, weiter nach
Norddeutschland, später Ostdeutschland und nach Frankreich.
„Es wäre falsch, mich auf Oberschwaben festzulegen. Hier ist
der Wohnort. Hier habe ich diese Arbeit begonnen, die mich in
Europa herumgeführt hat“, sagt Unterweger.
Der Fotograf sucht und schaut. Wo die großen Traktoren
stehen, die brandneuen Ställe, die asphaltierten Hofeinfahrten
sind, fährt er weiter. Er stöbert den einzigen Bauern im Dorf
auf, der noch mit einem Gaul pflügt, die Frau, die im Regen im
Bauerngarten schafft, in dem sich charakteristisch das Gemüse,
die Heilkräuter und die Blumen mischen, er sucht und findet
den geschwärzten Schwarzwaldhof, wo der Herdrauch durchs
Dach abzieht. Einige der eindrucksvollsten hier gezeigten
Bilder sind als Schnappschüsse entstanden: die Frau im blauen
Fenster zum Beispiel – wie eine Illustration aus Grimms
Märchenbuch. Wolf-Dietmar Unterweger erklärt, eine solche
Manchmal, wenn wir zügig über Land fahren, sehen wir im
Augenwinkel ein windschiefes Haus, eine zugewachsene Hofstelle,
einen bröckelnden Torbogen oder eine Tür, die unsere
Neugier wecken. Wir fahren weiter. Wolf-Dietmar Unterweger
hat angehalten, hat geklingelt, mit den Bewohnern geredet,
geschaut und fotografiert. Über einen Zeitraum von mehr
als 30 Jahren hat der in Oberschwaben beheimatete Fotograf
und Autor das Leben jener Bauern dokumentiert, die sich aus
Armut oder Eigensinn der landwirtschaftlichen Umwälzung
nach 1960 verweigert haben. So ist eine Sammlung aus vielleicht
500 000 Bildern entstanden, Dokumente einer untergegangenen
kleinbäuerlichen Welt, die auf diese Weise in Europa
wohl mehr als tausend Jahre bestanden hat. Diesen Schatz teilt
Unterweger in seinem Buch mit uns. Es ist ein Vermächtnis,
denn die Menschen auf den Fotografien sind tot. Ihre Häuser
sind fast alle abgerissen. Es lohnt, sich mit diesen Bildern zu
beschäftigen. Es sind keine dekorativen Kalendermotive, sie
reden zum Betrachter. Nicht nur von Vergangenem, auch von
der Zukunft.

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Gebt mir sechs Zeilen von der Hand des ehrlichsten Mannes, so werde ich etwas finden, um ihn an den Galgen zu bringen.

Armand Jean du Plessis Richelieu

 

 

 

 

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